Der Sommer ist die Zeit der Abschlüsse. Lehrabschlüsse werden gefeiert, Diplome überreicht und Weiterbildungen erfolgreich beendet. Die grossen Meilensteine sind sichtbar – und sie verdienen Anerkennung.
Doch die wenigsten Ziele werden mit einem einzigen grossen Schritt erreicht. Sie entstehen durch viele kleine Entscheidungen, durch Ausdauer und durch Menschen, die einander auf dem Weg unterstützen.
Genau hier setzt das Konzept des Reteaming von Ben Furman und Josef Middendorf an.
Ursprünglich wurde Reteaming in der Familientherapie entwickelt. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, warum etwas nicht funktioniert, sondern wie Menschen ihre Stärken nutzen, gemeinsam Lösungen entwickeln und motiviert auf ein Ziel hinarbeiten können. Inzwischen hat das Konzept längst Einzug in Unternehmen, Teams und Organisationen gehalten. Denn überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, brauchen sie Zuversicht, gemeinsame Ziele und das Bewusstsein, dass Entwicklung Schritt für Schritt geschieht.
Kleine Erfolge sichtbar machen
Im Arbeitsalltag richten wir unseren Blick oft auf das, was noch nicht erreicht ist. Die To-do-Liste bleibt lang, neue Herausforderungen warten bereits und der nächste Termin steht bevor. Dabei übersehen wir leicht, was bereits gelungen ist.
Wer Fortschritte wahrnimmt, stärkt seine Motivation. Das gilt für Einzelpersonen ebenso wie für ganze Teams.
Deshalb lohnt es sich, immer wieder innezuhalten und Fragen zu stellen wie:
- Welche Fortschritte hast du bisher gemacht?
- Worauf bist du heute besonders stolz?
- Was ist seit dem letzten Mal besser gelungen?
- Wie erklärst du dir diese positive Veränderung?
- Was hast du konkret dazu beigetragen?
- Wer hat dich dabei unterstützt?
- Wie fühlt sich dieser Erfolg für dich an?
Diese Fragen lenken den Blick auf Ressourcen statt auf Defizite. Sie machen sichtbar, dass Veränderung möglich ist – und dass jeder Mensch seinen Beitrag dazu leistet.
Erfolge brauchen Aufmerksamkeit
Erfolge müssen nicht spektakulär sein, um gefeiert zu werden. Oft sind es die kleinen Gesten, die zeigen: "Wir sehen deinen Einsatz."
Das kann zum Beispiel sein:
- Ein ehrliches "Danke" nach einer anspruchsvollen Woche.
- Eine kurze Nachricht mit einer wertschätzenden Rückmeldung.
- Gemeinsam einen Kaffee trinken, weil ein Projekt einen wichtigen Zwischenschritt erreicht hat.
- Eine Glocke läuten oder einen Stein in ein gemeinsames Glas legen, wenn ein Etappenziel geschafft ist.
- In der Teamsitzung bewusst Zeit einplanen, damit jede Person einen kleinen Erfolg der vergangenen Woche erzählt.
- Eine Karte mit anerkennenden Worten auf den Schreibtisch legen.
- Gemeinsam über das Gelungene lachen und den Moment bewusst geniessen.
Solche Rituale kosten wenig Zeit und kein grosses Budget. Sie schaffen jedoch etwas Wertvolles: Sie stärken das Gefühl, gemeinsam unterwegs zu sein und Fortschritte wahrzunehmen.
Motivation entsteht gemeinsam
Menschen bleiben eher an ihren Zielen dran, wenn sie erleben, dass ihre Anstrengungen gesehen werden. Wer Erfolge gemeinsam feiert, stärkt nicht nur die Motivation, sondern auch das Vertrauen im Team.
Vielleicht lohnt es sich deshalb gerade vor den Sommerferien, noch einmal zurückzublicken: Was ist uns in den letzten Monaten gelungen? Welche Herausforderungen haben wir gemeistert? Worauf dürfen wir stolz sein?
Nicht alles muss perfekt sein. Aber vieles ist bereits besser geworden.
Mit diesem Bewusstsein dürfen nun die Sommerferien kommen – als Zeit zum Auftanken, Geniessen und Abstand gewinnen.
Und vielleicht starten wir nach der Pause mit einer neuen Gewohnheit: Nicht nur die grossen Ziele im Blick zu behalten, sondern auch die vielen kleinen Schritte, die uns jeden Tag näher an unser gemeinsames Ziel bringen.
Denn jeder grosse Erfolg beginnt mit einem ersten kleinen Schritt. Und jeder kleine Schritt verdient es, wahrgenommen zu werden.
Ich denke, dieser Beitrag passt gut zu deiner Haltung als Coach. Er verbindet die theoretische Grundlage des Reteamings mit einem sehr alltagsnahen Nutzen für Teams. Als kleine Ergänzung würde ich zu Beginn noch ein Zitat von Ben Furman oder einen kurzen Satz wie „Menschen wachsen an dem, was gelingt.“ einbauen – das schafft einen schönen Einstieg und verankert den Gedanken des lösungsfokussierten Arbeitens von Anfang an.



